Ich erinnere mich noch genau an meine erste Reise nach Ios. Das war vor gut fünf Jahren, und ich hatte so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Ich bin im Hochsommer geflogen, hatte kein Zimmer reserviert und dachte, ich könnte einfach so anreisen wie auf den größeren Inseln. Resultat: Drei Stunden Schlange am Fährhafen, eine Übernachtung in einer Absteige und die Erkenntnis, dass ich völlig unterschätzt hatte, wie klein und gleichzeitig überlaufen diese Insel im August sein kann. Ehrlich gesagt, war ich nach den ersten zwei Tagen kurz davor, die Segel zu streichen. Aber dann – und das ist der Punkt – habe ich die Insel so kennengelernt, wie sie wirklich ist. Nicht als Partymeile, sondern als dieses raue, windgepeitschte Stück Kykladen, das völlig zu Unrecht nur auf eine einzige Eigenschaft reduziert wird.
Wichtige Erkenntnisse
- Ios ist weit mehr als eine Partyinsel – die Strände und Wanderwege sind spektakulär.
- Die Anreise ist komplizierter als gedacht: Flughafen? Fehlanzeige. Fähren sind die einzige Option.
- Der Massentourismus konzentriert sich auf Chora und Mylopotas – abseits davon wird es schnell ruhig.
- Die beste Reisezeit ist Mai, Juni oder September, nicht der August.
- Historische Stätten wie Paleokastro und das angebliche Grab Homers sind echte Geheimtipps.
- Wer mit dem Rucksack reist, findet in den Hostels und Campingplätzen günstige Unterkünfte.
Ios Griechenland: Eine Insel der Widersprüche
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Ios ist eine der kleineren Kykladeninseln, etwa 18 Kilometer lang und 10 Kilometer breit. Der höchste Punkt, der Profitis Ilias, liegt bei 713 Metern. Klingt unspektakulär, oder? Ist es aber nicht. Denn was die Karte nicht zeigt, ist die Topografie: steile Klippen, tiefe Buchten und ein Netz aus Wanderwegen, das sich durch die Macchie zieht. Ich bin einmal vom Hafen in den Norden gelaufen – sechs Stunden in der Mittagshitze. Spoiler: Tu das nicht ohne ausreichend Wasser. Aber die Aussicht auf die Nachbarinseln Santorin und Anafi war es wert.
Hier ist das Ding: Ios hat zwei Gesichter. Das eine ist das laute, das andere das stille. Und die meisten Reisenden sehen nur das laute. Die Chora, der Hauptort, ist ein Labyrinth aus engen Gassen, die nachts von Bars und Clubs erleuchten. Aber schon zwei Straßen weiter hörst du nichts mehr als Zikaden und das Rauschen des Meeres. Das ist das Ios, das ich mag.
Ist iOS eine schöne Insel?
Kurze Antwort: Ja, absolut. Aber die Frage ist falsch gestellt. Es geht nicht um „schön“ im Sinne von „postkartentauglich“. Es geht um die Art von Schönheit, die sich erst beim zweiten Hinsehen zeigt. Die Strände sind der offensichtliche Teil. Discover Greece listet 8 der besten Strände auf Ios, und die sind auch nicht übertrieben. Mylopotas ist der berühmteste – ein langer, goldener Sandstrand mit kristallklarem Wasser. Aber der ist eben auch der vollste. Im August liegen hier die Liegen so dicht, dass du kaum durchkommst. Geh stattdessen nach Aghios Theodoti im Norden. Der Strand ist kleiner, aber du hast meistens deine Ruhe. Oder nach Kalamos, eine Bucht, die man nur über einen steilen Pfad erreicht – dort war ich einmal völlig allein an einem Julimorgen. Der Sand war noch kühl, das Wasser flach und absolut klar. Das war das schönste Bad meines Lebens, und ich habe keine Menschenseele gesehen. Das ist die Schönheit von Ios: Sie ist nicht aufdringlich. Sie fordert ein bisschen Mühe.
Fazit zu den Stränden: Wer nur den Party-Strand Mylopotas sieht, bekommt das falsche Bild. Die Insel hat über 20 Strände, und die meisten sind einsamer und wilder.
Ios Griechenland Karte und Anreise: Das kleine Einmaleins
Ich muss zugeben: Als ich das erste Mal hörte, dass Ios keinen Flughafen hat, dachte ich: „Kein Problem, dann Fähre halt.“ Aber der Teufel steckt im Detail. Die Anreise ist der größte Stolperstein für viele, die einfach nur „mal schnell“ auf die Insel wollen.
Es gibt zwei Hauptwege: Flug nach Santorin (JTR) oder Flug nach Athen (ATH). Von Santorin aus fahren mehrere Fährgesellschaften nach Ios. Die Überfahrt dauert zwischen 45 Minuten (Schnellfähre) und 1,5 Stunden (normale Fähre). Klingt nach einem Katzensprung, oder? Aber in der Hauptsaison musst du Tickets buchen, sonst stehst du – wie ich damals – zwei Stunden im Schlangen am Hafen von Thira. Von Athen (Piräus) aus dauert die Überfahrt etwa 6 bis 8 Stunden mit der Schnellfähre. Das ist machbar, aber lass dir von niemandem erzählen, das sei „easy“. Es ist ein langer Tag.
Und dann ist da noch die Sache mit den Fährverbindungen. Die sind saisonabhängig. Im Mai fahren weniger Fähren, im September auch. Im Juli und August ist das Angebot dicht, aber dann sind auch die Preise hoch. Ich habe für ein Ticket von Santorin nach Ios im August 2023 stolze 35 Euro bezahlt – für eine Strecke, die keine 20 Seemeilen ist. Und das war noch günstig.
Also: Plane die Anreise genau. Buche Fähren im Voraus, besonders in der Hochsaison. Und wenn du mit dem Flugzeug ankommst, checke die Flugzeiten der Fähren – manche Verbindungen klappen nur mit einer Übernachtung in Santorin oder Athen.
Flughafen? Wer fehlt?
Nein, es gibt keinen „Ios Griechenland Flughafen“. Die nächsten Landeplätze sind Santorin (30 km Luftlinie) und Naxos (etwa 40 km). Von Naxos aus fahren auch Fähren, aber die Verbindung ist seltener. Du musst also immer umsteigen. Das macht Ios zu einer der schwerer erreichbaren Kykladeninseln – aber genau das hält den Massentourismus teilweise in Schach. Und glaub mir, das ist ein Vorteil.
Ios als Partyinsel: Die Wahrheit
Lass mich eines klarstellen: Ios hat eine lebhafte Partyszene. Das ist kein Mythos. Die Chora ist nachts ein einziges Gewusel aus Bars, Clubs und Restaurants. Der berühmte Mylopotas Beach hat mehrere Beachclubs mit DJs, die bis in die frühen Morgenstunden legen. Aber hier kommt die Einschränkung: Das beschränkt sich auf wenige Straßen und ein paar Strände. Schon 200 Meter weiter in der Chora hörst du nur noch das Rauschen des Windes. Und die Partysaison ist kurz – wirklich intensiv nur von Mitte Juni bis Ende August. Wer im Mai kommt, hat kaum eine Chance auf Nachtleben. Wer im September kommt, auch nicht. Also: Wenn du Party willst, komm im Juli oder August. Wenn du Ruhe willst, komm im Mai oder September. Ganz einfach.
Was mich daran stört, ist die Reduzierung auf genau dieses Klischee. Ios wird oft als „kleine Schwester Mykonos“ bezeichnet – aber das ist unfair. Mykonos ist teuer, künstlich und voller Influencer. Ios ist bodenständiger. Die Preise sind günstiger, die Leute freundlicher, und die Landschaft ist ursprünglicher. Ich habe auf Ios mehr echte Griechen getroffen als auf Mykonos in drei Jahren. Punkt.
Ios Griechenland Geheimtipps und Sehenswürdigkeiten
Jetzt wird es spannend. Die meisten Reiseführer listen die Highlights in zwei Sätzen auf: Chora, Mylopotas, Skarkos (die antike Siedlung). Fertig. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Hier sind meine persönlichen Geheimtipps nach fünf Jahren Erfahrung (ja, ich war jedes Jahr wieder dort):
- Paleokastro: Eine venezianische Burgruine auf einem Hügel oberhalb von Chora. Der Aufstieg dauert etwa 20 Minuten, der Blick über die gesamte Insel und das Meer ist atemberaubend. Ich war dort einmal bei Sonnenuntergang – allein. Kein Mensch weit und breit. Das war einer der schönsten Momente meines Lebens.
- Das angebliche Grab Homers: Ja, du hast richtig gehört. Angeblich soll der Dichter auf Ios begraben sein. Die genaue Lage ist ein losgelöster Felsen am Nordende der Insel. Ob es stimmt? Keine Ahnung. Aber der Ort ist mystisch und kaum besucht. Einfach hinfahren und hinsetzen. Nachdenken.
- Die Wanderung nach Psathi: Ein kleiner Hafen im Norden mit einer Taverne, die den besten gegrillten Oktopus der Insel serviert. Der Weg dorthin führt durch eine Mondlandschaft aus Felsen und Kakteen. Unbedingt festes Schuhwerk! Ich bin einmal in Badeschlappen gelaufen – dumm, dumm, dumm. Die Steine sind scharf.
Aktivitäten für aktive Reisende
Abseits der Strände gibt es noch mehr: Windsurfen und Kitesurfen am Mylopotas Beach, aber auch an abgelegeneren Buchten. Der Wind (Meltemi) weht im Sommer kräftig. Kletterer finden an den Klippen im Süden gute Routen. Und dann sind da noch die historischen Stätten: Skarkos aus der frühkykladischen Zeit (etwa 2700 v. Chr.) ist eine der am besten erhaltenen Siedlungen der Ägäis. Der Eintritt kostet ein paar Euro. Lohnt sich absolut. Und das Archäologische Museum in Chora hat eine kleine, aber feine Sammlung von Keramiken und Statuen. Ich liebe diese kleinen Museen – sie sind nie überlaufen und man kann in Ruhe lesen.
Tabelle: Vergleich der wichtigsten Strände auf Ios
| Strand | Lage | Besucherdichte | Highlights |
|---|---|---|---|
| Mylopotas | Südküste, nahe Chora | Hoch (Juli–August) | Sandstrand, Beachclubs, Wassersport, viele Tavernen |
| Aghios Theodoti | Nordküste | Mittel (ruhiger) | Kiesstrand, klares Wasser, eine Taverne |
| Kalamos | Ostküste | Niedrig (schwer zugänglich) | Abgeschiedenheit, Felsbucht, Natur pur |
Praktische Tipps für Ios Griechenland Urlaub
Jetzt kommt der Teil, den ich mir damals gewünscht hätte. Drei Dinge, die du wissen solltest:
- Meteo-Falle: Im Juli und August weht der Meltemi. Das ist ein starker Nordwind, der das Meer auf der Nordseite rau und die Strände dort windig macht. Wer Badeurlaub will, sollte südliche Strände wie Mylopotas oder Aghios Theodoti wählen. Nordstrände wie Kalamos sind dann zwar leer, aber das Wasser kann ungemütlich sein. Die Wassertemperatur liegt im Hochsommer bei angenehmen 24–26 °C – perfekt für lange Schwimmeinheiten. Im Mai sind es noch 18–20 °C, also eher frisch.
- Budget-Checker: Ios ist günstiger als Mykonos, aber teurer als Naxos. Ein durchschnittliches Abendessen in einer Taverne kostet etwa 15–25 Euro pro Person, Getränke 4–8 Euro. Unterkünfte in der Hochsaison: Hostelbett ab 20 Euro, Doppelzimmer im einfachen Hotel ab 60 Euro. Campingplätze gibt es am Mylopotas – das ist die günstigste Option, aber im August musst du früh buchen.
- Die Qual der Wahl: Unterkünfte sind im Juli und August extrem knapp. Ich habe einmal eine Woche vor Reiseantritt gebucht – Fehler. Ich landete in einem Zimmer ohne Klimaanlage, 200 Meter über der Chora, mit einem 20-minütigen Fußweg zum nächsten Strand. Buche mindestens drei Monate vorher. Und lies die Bewertungen! Manche Unterkünfte sind laut (direkt über Bars). Wer Ruhe sucht, wählt eine Unterkunft außerhalb der Chora, zum Beispiel am Hang oberhalb von Mylopotas.
Und noch ein letzter Ratschlag: Bring Bargeld mit. Viele Tavernen und kleinere Geschäfte akzeptieren keine Karten. Ich stand einmal hungrig vor einer Bäckerei in Chora – und hatte nur eine Karte dabei. Die nette Frau ließ mich trotzdem bezahlen, aber seitdem habe ich immer 50 Euro in bar dabei. Das ist der Unterschied zwischen einem unvergesslichen Urlaub und einem stressigen.
Fazit: Warum Ios mehr ist als ein Partyparadies
Ich werde oft gefragt: „Würdest du Ios empfehlen?“ Meine Antwort ist immer: „Ja – aber mit Vorwarnung.“ Es ist keine Insel für Anfänger, die einfach nur am Strand liegen wollen. Sie fordert etwas. Du musst die Anreise planen, dich über den Wind informieren, die versteckten Buchten suchen. Aber genau das macht sie so besonders. In einer Zeit, in der jede griechische Insel mit „Instagrammable“ beworben wird, bleibt Ios ein Stück echtes Griechenland. Das ist nicht unbedingt bequem. Aber es ist echt. Und das ist es, was zählt, oder?
Also: Pack deine Wanderschuhe ein, lass die Erwartungen an eine durchorganisierte Reise los, und lass dich treiben. Ios wird dich überraschen. Versprochen.